328 GTB: Arbeiten an Karosserie

Zunächst wurde einmal der Bestand der teils ausgebrannten Karosserie analysiert. Wie schon beschrieben, war alles hinter der Feuerwand nicht mehr zu gebrauchen und musste erneuert werden. Zum Glück ist das bei Gitterrohrkonstruktionen, anders als bei selbsttragenden Karosserien,  kein Problem. Entscheidend sind lediglich die korrekten Arbeiten auf einer Richtbank und ordentliche Schweissarbeiten. So entschied ich mich zusammen mit meinem damaligen Mechaniker, Norbert Lahme, den Wagen erst einmal komplett zu demontieren und das nackte Chassis mit der verbliebenden Karosserie nach Italien zu Bachelli & Villa bei Modena zu schicken. Es war noch die Zeit vor dem Euro, also konnte man damals zu sagenhaften Preisen sehr viel Arbeiten erledigen lassen.

005Bachelli hat Zugang zu allen Plänen und Maßen bei Ferrari und wer dort  einen Ferrari restaurieren lässt, der kann sicher sein, dass es genauso gut sein würde wie ab Werk. Also wurde kurzerhand das gesamte Heck des 328 abgetrennt und mit neuen Rahmenteilen ab Werk instandgesetzt. Auch die hinteren Bleche (Heck, Seitenteile und Schürze) konnten direkt ab Werk angeliefert werden. Ebenso wie das Dach. Denn natürlich wollte ich keinen GTS (den hatte ich ja schon), sondern einen GTB.

Das Besondere in diesem Fall: der GTS hat zwecks Versteifung links und rechts vor der B-Säule zusätzliche diagonale Verstrebungen die dafür sorgen dass ein GTS in etwa genauso steif ist wie ein GTB. Diese Versteifungen zusammen mit einem GTB-Dach würden also im Ergebnis noch steifer sein als ein originaler GTB – beste Vorraussetzungen für die Rundstrecke. Zwar würde das vielleicht ein paar Kilo mehr ausmachen, aber durch den Wegfall der Klimaanlage, den Ledersitzen, der Stereoanlage würde das wieder kompensiert werden können.

024Die Meister bei Bachelli staunten indes nicht schlecht als sie erfuhren den Wagen zu schliessen, denn normalerweise machen sie aus Coupes eher Cabriolets und nicht umgekehrt. Aber wie anhand der Fotos zu erkennen ist, wurde hier sehr sauber gearbeitet. Es gab kaum ein Blech oder kaum eine Strebe die nicht bearbeitet wurde und wahrscheinlich ist das auch der Grund warum der 328 auch heute noch, über 20 Jahre später, noch immer ohne Risse, Rost oder anderen altersbedingten Schäden dasteht.

Und da wir schon mal dabei waren das Dach zu modifizieren bautee Bachelli auch gleich im linken Seitenfenster eine neue Fassung für einen neuen Einfüllstutzen ein mitsamt Tankverschluss von einem F40.

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Anstelle des Serieneinfüllstutzens gibts einen Rennverschluss á la F 40

Doch damit nicht genug. Um dem Wagen einerseits einen indivuellen Look zu geben, aber auch um eventuellen Kühlproblemen Vorsorge zu leisten, wurden die vorderen Kotflügel mit jenen Kühlrippen versehen die eigentlich nur bei 308er vorhanden sind. So ergibt sich ein Bild welches eingefleischte 328er Fans nicht kennen: ein 328er mit 308er Kotflügel.

Auch die Frontschürze sollte nicht ohne Modifikationen bleiben. Hier spielte abermals der Gedanke der Kühlung eine zentrale Rolle: um möglichst viel Luft vorne durch die Kühler zu leiten und um Luftkanäle für die Bremsen zu schaffen, wurden die innenliegenden Leuchten verkleinert: das Standlicht wurde kurzerhand vom Blinker abgetrennt und stattdessen wurden neue Rippen aus Edelstahl angefertigt, die, ähnlich wie beim 512 BB, die gesamte Breite der Front füllten.

Die Lichthupe wurde hinter die Lamellen montiert, so dass diese Funktion zwar erhalten blieb, aber ohne die Scheinwerfer ausfahren zu müssen. So wirkt dieser 328 von vorne noch etwas aufgeräumter und erfüllt gleichzeitig den Zweck einer optimierten Kühlung. Der Spoiler wurde in Wagenfarbe lackiert, ebenso wie die Schweller.

Bei der Farbe handelt es sich übrigens um eine Ferrari Farbe aus den 60er bzw 70er Jahren. So wurden in diesem Farbton ein paar 275 und 330 GTS und Daytona ausgeliefert.

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Sieht fast ein bisschen nach 288 GTO aus

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Der Grill erinnert an den 512 BB