400i: Ausbau des Motors

Nur Mut!

Der erste Blick unter die Motorhaube lässt bei den meisten Besitzern den Gedanken an einen Ausbau in Eigenregie glatt wieder verstreichen. Voller gehts fast nimmer, nur ein Jaguar V12 ist vielleicht noch etwas dichter verkabelt und verpackt, und die Sorge am Ende nicht wieder alles so zusammenbauen zu können wie erforderlich schreckt so manchen ab.

Das muss aber nicht sein. Denn im Gegensatz zu modernen Triebwerken die mit zahlreichen Steuergeräten und Zusatzperipherie zugebaut und verkapselt sind, ist ein Triebwerk aus den 80ern eher einfach aufgebaut: Rumpfmotor, Einspritzanlage, Servolenkung, Klimaanlage und Lichtmaschinen – das wars eigentlich schon. Keine Turbolader, keine Hochdruckanlagen für den Treibstoff, keine Computer, keine Verstellung für die Nockenwellen, etc. etc. Entsprechend ist auch der Ausbau zu planen. Wichtig ist natürlich ein entsprechend gut sortierter Werkzeugkasten sowie einen Motorkran mit mind. 500 Kg Tragkraft. Und Mut!

Schritt 1: Peripherie

Im ersten Schritt geht es erst einmal darum alles richtig zu identifizieren und die Anschlüsse festzustellen bzw. zu notieren. Beim Ausbau der Servopumpe z.B. ist es hilfreich die ausgebauten Teile, Halterungen, Schrauben und Schläuche entsprechend zu fotografieren:

IMG_3625

Solche Fotos sind extrem hilfreich um der Überblick zu behalten und zu „lernen“ wie die Anbauteile zusammen arbeiten

Auch Fotos von allen Teilen und Anschlüssen im eingebauten Zustand (je mehr desto besser) sind hilfreich wenn man hinterher vielleicht das Eine odere andere vergessen hat. bzw. das Werkstatthandbuch keine ausreichend genauen Angaben macht.

Zudem habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, alle Teile und Schrauben zu den jeweiligen Anbauteilen in kleine Tütchen zu packen und zu beschriften. So bleibt alles zusammen, und kann später noch einmal in Ruhe abfotografiert werden ehe alles zum Säubern oder Veredeln geht.

Grundsätzlich gilt auch: Nicht immer alles was alt und rostig ist wegwerfen! Denn viele Schellen, Muttern, Schrauben etc. lassen sich reinigen und neu verzinken und nicht immer findet sich im Fachhandel Ersatz. Also lieber alles zusammenhalten und später beim Zusammenbau entscheiden ob ein Alt- oder Neuteil eingebaut wird.

Ich habe für den Ausbau meines Motors folgende Reihenfolge der Ausbauschritte für die Peripherie festgehalten:

  • Thermostat mit Schläuchen
  • Ausgleichbehälter Kühlwasser mit Schläuchen
  • Anschlüsse Klimaanlage lösen
  • Lüfter innen ausbauen
  • Obere Lichtmaschine ausbauen
  • Trockner der Klimaanlage ausbauen
  • Ölkühler ausbauen
  • Getriebeölkühler ausbauen
  • Kühler ausbauen
  • Klimakompressor ausbauen
  • behälter Servoöl ausbauen
  • Halter Servoölbehälter ausbauen
  • Schläuche Servolekung ausbauen

Die untere Lichtmaschine kann im eingebauten Zustand des Motors nicht ausgebaut werden da die untere Besfestigungsschraube sich nicht rausziehen lässt – sie stösst an der Lenkung an. Aus diesem Grund ist sie meistens auch 30 Jahre als, und liefert mit Sicherheit nicht die notwendige Leistung. Warum auch austauschen, wenn es die obere noch tut.

IMG_3664

Der untere Bolzen der unteren Lichtmaschine. Für den Ausbau muss entweder die Lenkung raus oder der Motor angehoben werden.

Der Klimakompressor ist in vielen 400er auch nicht mehr der jüngste, und es gibt zahlreiche die einfach stillgelegt sind. Leider lässt isch der Kompressor nicht revidieren da keine Teile zu beschaffen sind, also muss ein neuer bestellt werden.

Die  BOSCH K-Jetronic Einspritzanlage links und rechts ist relativ einfach auszubauen. Die Leitungen am und zum Motor sind mit zwei einfachen 12er bzw. 10er Schlüsseln zu lösen, gleiches gilt für die Leitungen zur K-Jetronic. Vorsicht beim Ausbau, denn die Leitungen verbiegen sich rasch. Die Gehäuse für die Luftfilter sind mit zwei Schrauben am Chassis befestigt. Ist alles lose, kann die ganze Einheit (Einspritzanlage plus oberes Gehäuse der Luftfilter) herausgezogen werden. Auch hier lohnt es sich Fotos zu machen, vor allem bei der Anordnung der Leitungen:

IMG_3696

Die K-Jetronic ist einfach auszubauen. Vorsicht bei der Demontage damit kein Schmutz in die Bohrungen der Leitungen gelangt! Die Anlage ist sehr empfindlich gegenüber Wasser und Schmutz.

Ist die Anlage draussen, muss jetzt noch das Gasgestänge entfernt werden. Auch hier gilt: vor dem Lösen, Fotos machen und gebenenfalls die Länge der Verbindungsstangen messen und notieren:

IMG_3717

Das Gasgestänge wird hinterher neu einzustellen sein, aber trotzdem ist es ratsam alles zu vermessen und zu notieren damit beim Zusammenbau eine Basis für die Einstellung vorliegt.

Da diese vor dem Verzinken komplett zerlegt werden müssen, ist eine sorgfältige Aufnahme der Teile sehr wichtig falls man hinterher beim Zusammenbau keinen Nervenzusammenbruch erleiden möchte.

Ist die Einspritzanlage draussen und vorne alles frei, müssen jetzt noch die Krümmer ausgebaut werden und die Motorblöcke gelösst werden. Das alles ist von unten gut zu erreichen, und hoffentlich auch ohne Stress zu lösen. Meine Krümmer gingen leicht lose, die von Frank waren schon etwas angerostet – da braucht es Nerven, viel WD-40 oder Rostlöser und Geduld! Das Rausziehen der Krümmer ist etwas fummelig, aber alles machbar. Bedenke: Wenn Luigi das vor 30 Jahren eingebaut bekommen hat, kannst du es auch wieder ausbauen!

Ferner sollte auch die Verteilerkappe bzw. das Gehäuse ausgebaut werden da diese beim Ausbau des Motors leicht am Rahmen bzw. dem Antrieb der Scheibenwischer beschädigt werden kann. Diese Erfahrung haben wir bei Franks Ausbau machen müssen und eine Verteilerkappe kostet gut 800,- € bei ebay.

Schritt 2: An den Haken!

Es gibt zwei Möglichkeiten den Motor auszubauen: Entweder ohne Getriebe, dazu muss aber das Scheibenwischergestänge ausgebaut werden, oder mitsamt Getriebe. Denn erst wenn die Scheibenwischer ausgebaut sind, kommt man an die oberen Befestigungsschrauben des Getriebes heran.

Wir haben uns in beiden 400er Fällen dazu entschlossen das „grosse“ Paket auszubauen – no risk, no fun.

Bevor der Motor dann an den Motorkran drangehangen wird, sicher gehen dass auch alle (!) Verbindungen bzw Aufhängungen vom Getriebe zum Chassis gelösst sind. In meinem Fall haben wir bereits begonnen den Motor rauszuholen als wir feststellten dass das Gestänge vom Getriebe zum Schalthebel nicht ausgeklinkt war, das Getriebe also noch hing. Ts,ts…

Wie unschwer zu ahnen und zu erkennen ist, ist das ganze Paket schon ordentlich gross und schwer. Der Motorkran muss also eine entsprechende Tragkraft und Höhe haben, denn Motor und Getriebe kippen nach hinten. Sollte es knapp werden, stellt einer sich in den Rahmen und hebt das Getriebe mit Muskelkraft über den Vorderbau.

img_7443

Ein ordentlicher Brocken der da über dem Vorderwagen hängt! Wenn er dann endlich draussen ist, erst mal ein Bier!