Ferrari 365 GT 2+2

Seit der Konzeption des 250 GT 2+2 hat sich die Coupe Formel mit vier Sitzen bei Ferrari immer mehr als Erfolgsformel etabliert. Im Laufe der ersten acht Jahre wurden allein von den ersten Modellen 250 und 330 GT 2+2 mehr als 1.100 Einheiten produziert und verkauft, und damit wesentlich mehr als von den reinen 2-Sitzern von denen es im gleichen Zeitraum immerhin 11 verschiedene Versionen gab. Keine Frage, also: die Mehrheit der Ferrari Besitzer begrüßte die Kombination von Sportlichkeit mit Nutzwert.

Mit dem 365 GT 2+2 wurde 1967 dieses Angebot von Leistung und Komfort um einen weiteren Schritt ausgebaut. Der nunmehr 4,4 Liter große Motor (Typ 245) leistete 20 PS mehr als der 330er und lieferte aufgrund des vergrößerten Hubraums mehr Drehmoment bei niedrigerer Drehzahl. Das Chassis hatte man im traditionellen Rohrrahmen aus geschweißten Stahlrohren unverändert vom Vorgänger übernommen, ebenso wie die Kombination des Motors mit einem 5-Gang Getriebe.

Die wichtigste Veränderung betraf allerdings die Radaufhängung: Die unabhängig aufgehängte Hinterachse wurden erstmals seit dem 275 GTB in einem 2+2 von ungleich langen Dreieckslenkern und von Schraubenfedern mit Teleskopdämpfern gehalten und geführt. Zusätzlich sorgte noch eine hydraulische Niveauregulierung für ein belastungsunabhängiges Fahrzeugniveau – eine absolute Neuheit bei Ferrari. Eine weitere Revolution war die Servolenkung, die fortan zur Serienausstattung des 365 GT 2+2 gehörte. Für eingefleischte Ferraristi war das schon fast ein Sakrileg, sorgte aber dafür, dass auch dieser große Ferrari außerordentlich handlich zu fahren war. Ebenfalls eine Sensation: eine serienmäßige Klimaanlage die auch bei sommerlichen Temperaturen dafür sorgte, dass der rasende Gentleman nicht ins Schwitzen kam. Das ganze wurde abgerundet durch eine umfassende und luxuriöse Innenaustattung: Ledersitze, Holzarmaturen wie im 500 Superfast, elektrische Fensterheber (später auch für die hinteren Ausstellscheiben), Radio mit vier Lautsprechern und Mittelarmelehne auf der hinteren Sitzbank. All das machte den 365 GT 2+2 zu einem wahrhaftigen Reisewagen der 1. Klasse. Selbst heute macht es keine Mühe den GT mit über 200 km/h entspannt von Hamburg nach München zu chauffieren. Der lange Radstand sorgt für Spurtreue, die Einzelradaufhängung für Dynamik, die Ausstattung für Wohlbefinden, und das Design für eine stilsicheren Auftritt.

Unser 365 GT 2+2 wurde 1970 vom Vater bei Auto Becker in Düsseldorf bestellt und ausgeliefert. Er ist seitdem nur 83.000 km gelaufen, und befindet sich noch immer im ersten Lack. Das ist nicht ganz unumstritten, denn natürlich erfuhr der Wagen in den Händen der Eltern die eine oder andere Delle die seinerzeit so ausgebessert wurde wie es eben bei Gebrauchtwagen der Fall war. Die Folge: Farbunterschiede zwischen Motorhaube, linker Tür, und Kofferraum sind zwar ein Teil der Geschichte des Autos, aber schön ist anders. Neu lackieren? So lassen? An diesem Punkt scheiden sich die Geister.

Der Motor ist unangetastet und erfuhr lediglich eine kosmetische Behandlung. Im Getriebe wurde der 2. Gang erneuert, das Differenzial leckt seit neustem was im Winter 16/17 in Angriff genommen wird. Die Innenausstattung ist original in jeder Hinsicht, und das ist wunderbar.

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