Ferrari 328 GTB

Dieser 328 GTB ist etwas Besonderes. Denn er ist eigentlich ein 328 GTS!

Anfang der 90er Jahre erlitt dieser  ´86er Ferrari 328 GTS einen Motorbrand. Ob es sich um einen Unfall oder um einen Versicherungsbetrug handelte wollen wir dabei mal offen lassen. Jedenfalls stand der Wagen im teils angebranntem Zustand in Langenfeld bei Düsseldorf für läppische 15.000.- DM zum Verkauf.

DSCF0028Dafür bekam ich einen roten 328 GTS mit verrusster Innenaustattung, geschmolzenem Motor und angebranntem Heck. Das Chassis war unbeschadet, nur das Blech war ab der Feuerwand nicht mehr zu gebrauchen. Für ein „Projekt“ der anderen Art war das aber gar keine schlechte Ausgangsbasis, denn auch die wichtigsten Fahrwerkskomponenten waren noch brauchbar.

Die Idee: einen 328er für die Rundstrecke, aber kein Rennwagen. Ich wollte das Pendant zu einem Porsche 911 RS – leicher, stabiler, stärker, verbessertes Fahrwerk, auf Sportlichkeit getrimmter Innenraum, und hier und da die gewissen Details die das Besondere darstellen sollten. Er sollte von aussen nicht auffällig getunt wirken, sondern eher zurückhaltend.

Aber auch was die Technik betrifft, wollten wir neue Wege gehen. War die K-Jetronic noch so zuverlässig – für eine deutliche Leistungssteigerung ist sie nur eingeschränkt tauglich. Also musste eine Einzeldrosselklappenanlage eingebaut werden. In Kombination mit neuen Kolben mit höherer Verdichtung und scharfen Nockenwellen sollte einiges möglich sein.

Und so sah denn auch der Leistungskatalog am Anfang des Projektes aus:

  • Umbau von GTS auf GTB.
  • Leistungssteigerung durch klassisches Tuning. Kein Turbo, kein Kompressor, nur eine andere Einspritzanlage und Nockenwellen waren geplant.
  • Optimierung des Fahrwerks und Bremsanlage für die Rundstrecke.
  • Neugestaltung des Innenraums ohne nacktem Rennwagenflair.
  • Details an Karosserie inkl. Farbe zwecks individuellem look.
  • Strassenzulassung.

Der Umbau von GTS auf GTB sollte, natürlich, in Italien durchgeführt werden. Ganz einfach deshalb, weil dort zu dem Zeitpunkt diese Arbeiten noch zu erschwinglichen Preisen durchgeführt werden konnten.

Für die Leistungssteigerung wollten wir klassische Wege gehen, aber nicht „zurück“. Ein Umbau auf Vergaser erschien uns daher genauso wenig angemessen wie der Einsatz eines Kompressors oder Turbos. Obwohl gerade die Turbovariante einen besonderen Charme hatte, denn schliesslich gibt es den 328er für den italienischen Markt auch als 328 Turbo intercooler, allerdings auf Basis eines 2 Liter Motors. Ich habe nie geprüft ob sich die Turboanlage des 2 Liter auf den 3,2 Liter anpassen lässt. Wäre vielleicht mal eine Idee wert.

Jedenfalls haben wir uns für den Blick nach vorne entschlossen: Einbau einer Einzeldrosselklappenanlage mit Kennfeldsteuerung. Die Zündung blieb dabei allerdings Serie. Im Inneren des Motors wurden Kolben mit höherer Verdichtung, schärferen Nockenwellen und  bearbeiteten Ventilen eingebaut. Das Ergebnis waren dann am Ende echte 302 PS an der Achse bei 7.600 U/min.

Die Bremsen wurden auf AP umgebaut,  mit angefertigten Scheiben damit die Serienfelgen weiterhin  zum Einsatz kommen konnten. Federelemente und Stoßdämpfer wurden  von der Firma Wilbers angefertigt, heute gibt es sie bei formula GT  in München oder Superformance in ähnlicher Bauweise.

Der Innenraum wurde nach eigenen Vorstellungen gebaut. Die Klimaanlage wurde weggelassen, die Heizung auf einen Wärmetauscher „halbiert“ und die Sitze durch Rennschalen inkl. 6-Punktgurte ersetzt.

Das ganze Projekt erstreckte sich über einen Zeitraum von 2 Jahren.

Das Ergebnis war ein einzigartiger 328 GTB der auf meiner Lieblingsstrecke Spa Francorchamps viele moderne Fahrzeuge „alt“ aussehen lässt.