Ferrari 328 GTS

IMG_4343Mit diesem 328 GTS fing alles an.

Ich bestellte ihn 1987 bei Auto Becker in Düsseldorf, ursprünglich in Amaranto Rot. Doch leider wurde sowohl die Farbe als auch das Fahrwerk von 1987 bis 1988 von Ferrari gestrichen bzw. modifiziert: in der „zweiten“ Serie der 328, erkennbar an den Mondial Felgen und den Türgriffen nun mit kleinen schwarzen Rahmen, wurde selbiges Fahrwerk eingebaut um den Einsatz des ABS zu ermöglichen. Schade, denn die Felgen der 1. Serie sind schicker. Warum die Farbe gestrichen wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls bekam ich 1988 einen 328 GTS in Grigio Metalic ausgeliefert, mit ABS und den neuen Türöffnern.

Ich war zunächst bitter enttäuscht.

Der 328 fuhr sich in schnellen Kurven auf der alten A3 zwischen Köln und Frankfurt wie eine Ente. Die hintere Achse wusste offensichtlich nicht was die Vorderachse tat, und der Geradeauslauf war eine Katastrophe, BMW 325i hatten keine Mühe mir auf der Landstrasse zu folgen, im Regen hatte ich manche Schrecksekunde. Das sollte ein Ferrari sein?!

Ich beschloss der Sache auf den Grund zu gehen.

Erkenntnis Nr.1: der Wagen wurde mit unterschiedlichen Goodyear (!) ausgeliefert! Vorne waren NCT montiert, hinten Eagles! Das kann natürlich nicht funktionieren, und ob dies auf das Konto von Auto Becker ging oder Ferrari weiss kein Mensch. Denn eigentlich wurden Ferrari seinerzeit immer mit Pirelli ausgestattet – ordentliche Reifen, mir aber eine Spur zu hart und laut.

Erkenntnis Nr.2: der Wagen war zu hoch und die Koni’s nicht optimal. Durch die relativ langen Federwege, fing der Wagen gern an zu „taumeln“. Auch waren die serienmäsigen Koni-Dämpfer viel zu hart und nicht harmonisch abgestimmt.

Erkenntnis Nr.3: Ich brauche Hilfe!

Im Kleinanzeigenteil der „auto-motor-sport“ entedeckte ich eine Anzeige der „Sportwagen Spezialisten“ in Frankfurt. Norbert Lahme und Jochen Frick sind bis heute versierte Ferrari Spezialisten und schon beim ersten Telefonat war klar: hier bist du richtig!

Beim ersten Besuch in Frankfurt stellten mir Norbert und Jochen ihren firmeneigenen 328 GTS der ersten Serie inkl. deren Modifikationen für eine Probefahrt zur Verfügung. Ich dachte ich sei in einem komplett anderem Auto unterwegs! Das Auto fuhr wie auf Schienen, Spurtreue und Spurwechsel erfolgten wie im Kart, das Handling war phenomenal. Auch der Sound, dank einer eigenen Edelstahlanlage, war grandios, kernig, rauh und endlich „richtig“.

640tsroadDas wollte ich auch! Also wurde mein 328 tiefergelegt, bekam ordentliche Reifen (Bridgstone RE71), eine Edelstahlanlage und schärfere Nockenwellen. Später flogen dann auch noch die Koni’s raus und wurden durch andere Federn und Dämpfer der Firma Wilbers ersetzt – dies war übrigens die beste Investition überhaupt!

Die Dämpfer sind sowohl in der Zug- als auch in der Druckstufe per Rändelrad einstellbar und auch die Höhe kann über spezielle Schlüssel eingestellt werden.  Das Ansprechverhalten dieser Dämpfer ist wesentlich besser als die der „alten“ Konis. Unebenheiten, wie z.B. Strassenbahnschienen oder Längsrillen,  werden harmonisch weggebügelt, das Abrollgeräusch ist wesentlich leiser, Spurwechsel gehen kontrollierter, die Dämpfung ist noch immer sportlich hart, aber ohne Poltern – alles in allem fährt der Ferrari sich 10 Jahre „jünger“, sprich moderner. Wilbers bietet diese Dämpfer übrigens auch für Dino, 308er, Daytona, BB, 330 GTC an.

Nun fährt er sich seit fast 30 Jahren ordentlich und so wie es sich für einen Ferrari gehört.

Leider gibt es die Bridgestone RE 71 in der damaligen Konfiguration nicht mehr. Aktuell läft der GTS auf Continental Supersport.