GARAGISTA

Jetzt funkt es wieder ordentlich…

Die Zündung

Aufgrund der geringen Laufleistung dieses Ferraris haben wir uns auf die Teile der Zündanlage konzentriert, die auch ohne Fahrbetrieb von der Alterung betroffen sind. Dies sind unseres Ermessens folgende Komponenten:

  • Zündkabel (Cavis)
  • Zündspule (BAE 202 B, Magneti Marelli)
  • Zündbox (Dinoplex, AEC 104 B-660, Magneti Marelli)

Zusätzlich werden natürlich die obligatorischen Komponenten erneuert:

  • Zündkerzen
  • Verteilerkappe
  • Verteilerfinger

Damit bleibt natürlich auch schon nicht mehr viel übrig. Lediglich den Verteiler könnten wir noch überholen, jedoch haben wir aufgrund der Laufleistung von lediglich knapp 100tkm im ersten Schritt darauf verzichtet.

Das Dilemma mit den alten Elkos

Während die Mechanik in unseren alten Autos ja meist die Jahre bei guter Pflege und Wartung überstehen kann, sind wir bei der Elektronik machtlos. Beispielsweise altern die Elektrolytkondensatoren (Elkos) und sind nach ihrer definierten Lebensdauer unbrauchbar. Mit Blick in Wikipedia lesen wir dort wie folgt: Aluminium-Elektrolytkondensatoren mit flüssigem Elektrolyten nehmen in der Elektronik eine Sonderstellung ein, da sie eine Flüssigkeit enthalten. Der flüssige Elektrolyt kann über die Betriebszeit verdunsten. Damit verbunden ändern sich über die Zeit die elektrischen Kennwerte der Kondensatoren, die Kapazität nimmt ab, die Impedanz steigt an. Werden bestimmte Änderungsgrenzen überschritten, dann ist die Funktionsfähigkeit der Kondensatoren nur noch beschränkt vorhanden. Die Zeit der Funktionsfähigkeit der Elkos wird „Lebensdauer“ oder „Brauchbarkeitsdauer“ genannt. Sie ist die Zeit, in der die elektrischen Parameter der Elektrolytkondensatoren sich innerhalb definierter Änderungsgrenzen durch Austrocknung ändern dürfen. Die zu erwartende Lebensdauer eines 2.000 h/105 °C-Elkos, der bei nur 45 °C betrieben wird, wird mit 128.000 Stunden oder etwa 15 Jahren angegeben. Würde die Betriebstemperatur auf 65 °C ansteigen und soll die gleiche Betriebslebensdauer erreicht werden, dann müsste ein Elko einer anderen Baureihe mit der Spezifikation von entweder 8.000 h/105 °C oder 2.000 h/125 °C genommen werden.

Wie auch immer, die Spezifikationen der Elkos der Dinoplex sind uns leider unbekannt. Aber klar ist, dass die Elkos in der Zündbox inzwischen 35 Jahre alt sind und die Zündbox unter der Motorhaube und im Motorraum montiert war. Damit haben wir ein Thema mit der Zeit und der Wärme. Auch wenn dieser Ferrari nur wenige Jahre in Betrieb war und daher die Elkos durch den Betrieb der Dinoplex und durch den Motor lediglich für eine noch akzeptable Zeit Wärme abgekommen haben (Bei 100.000 km Laufleistung und 60 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit ergeben sich 100.000 km / 60 km/h = 1.666 h), so hat die Zündbox dennoch zusätzlich über die weiteren Jahre wohl genügend Wärme abbekommen, da der Wagen ja vermutlich irgendwo unter einem einfachen Carport im Freien gestanden hat. Daher ist die Lebensdauer der Elkos vermutlich verbraucht und wir brauchen Ersatz für die Dinoplex. Eine Reparatur erscheint uns unmöglich, da die Zündbox in Harz vergossen ist.

Auch ist ein Ersatz sinnvoll, da wir keine Alternative für die dreipolige Zündspule BAE 202 B finden konnten. Alleine dieser Umstand wäre schon ein ausreichender Grund für den Ersatz der Dinoplex/BAE 202-Anlage gewesen.

MSD-6AL für Dinoplex

Wir haben uns für die Zündbox von MSD entschieden. Die MSD-6AL ist ein digitales System mit multipler Zündung im unteren Drehzahlbereich und einstellbarem Drehzahlbegrenzer.

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Wie das Schaltbild zeigt, ist der Anschluß auch einfach herzustellen. Wir haben lediglich zwei Anschlüsse ersetzt: Dauerplus haben wir vom Sicherungskasten neu geholt und die Anschlüsse der Zündspule haben wir mit 2,5mm2 Lapp-Fahrzeugkabel im Schutzschlauch neu erstellt.

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Bei der MSD-Box kann man zwischen 4, 6 und 8-Zylinder wählen. 12 Zylinder natürlich nicht. Dennoch kann man auch bei der Konfiguration 8 Zylinder (Auslieferungszustand) den Drehzahlbegrenzer noch genau auf die gewünschten 6600 Umdrehungen einstellen. Hierzu lediglich 9900 für 8-Zylinder wählen, denn daraus ergeben sich automatisch dann mit 9900/12*8=6600 Umdrehungen für den 12 Zylinder-Motor.

Nur noch hübsch verpacken…

Um den Austausch perfekt zu machen, haben wir die neue Elektronik in dem alten Dinoplex-Gehäuse versteckt. Dafür muss das untere Dinoplex-Gehäuse leergeräumt werden. Aufgrund des Giesharzes gelingt dies wahrscheinlich am besten durch ausbrennen (Schutzbrille tragen!). Auch ist die MSD etwas länger, daher muss das alte Gehäuse an den Kopfseiten geöffnet werden. Die MSD kann nun einfach eingelegt werden und wird von dem alten Drehzahlbegrenzer (kleiner Kasten) geklemmt und so fixiert. Zur Wärmeableitung aber unbedingt noch Wärmeleitpaste auftragen.

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MSD-6AL im Dinoplex-Gehäuse eingebaut (Links). Zu Vergleich die ursprüngliche Dinoplex (Rechts)

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Der ursprüngliche Drehzahbegrenzer (kleiner Kasten) ist auch bei der neuen Anlage montiert worden. Dies sind aber lediglich kosmetische Gründe; eine Funktion hat er natürlich hier nicht mehr

Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Die alte Zündbox wurde durch eine moderne, digitale Elektronik ersetzt. Der beobachtet Zündfunken ist offensichtlich sehr stark und satt. Wir denken, dass wir hier eine deutliche Verbesserung erkennen konnten. Und optisch wird man den Austausch erst auf den dritten oder vierten Blick erkennen können…