GARAGISTA

LUCAS, Gott der Dunkelheit…

Jeder der schon einmal mit britischen Autos zu tun hatte kennt LUCAS, den Gott der Dunkelheit. Dabei handelt es sich allerdings um keine wirklich Gottheit, sondern um den bösartigen Fehlerteufel der sich gern in den elektronischen Eingeweiden der Bausteine aus dem Hause LUCAS herumtreibt. Und jeder der sich einmal etwas intensiver mit der Elektrik eines britischen Automobils auseinandergesetzt hat (und dabei keinen Herzklappenriss, Nervenzusammenbruch oder Tobsuchtsanfall erlitt) weiss, dass sich dieser Teufel nur äußerst ungern austreiben lässt. Nicht ohne Grund wurde früher gern der Scherz herumgereicht, dass wenn man einen Jaguar E-Type fährt, man am besten noch einen kauft: einen für die Strasse, einen für die Werkstatt.

Nun, auch bei Rolls Royce wurde LUCAS überall und gern eingesetzt. Und ich kenne keinen Rolls Royce Fahrer der nicht schon die eine oder andere gesalzene Werkstattrechnung erhalten hat, nicht zwangsläufig weil die elektronischen Ersatzteile so teuer sind, sondern weil es viel Zeit in Anspruch nehmen kann den Fehler überhaupt zu finden. Ich weiss nicht wer bei Rolls Royce die Verantwortung für die Erstellung eines Schaltplans ist, aber wenn ich ihn eines Tages aus um das Weite zu suchen: Ein Wirrwaar von Kabeln und Relais die überall verteilt sind wie Knoten einer Krebskrankheit. Anders als bei Mercedes oder anderen kontinentaleuropäischen Autos wo Relais üblicherweise zusammen in einer Relaisbank montiert sind, ist das bei einem Rolly von vor den 90er Jahren mitnichten der Fall. Die kleinen silbernen Schaltbausteine hocken in jeder letzten Ecke, vom Kofferraum, Innenraum, Motorraum und sogar unter den Schweinwerfern! Es ist die Pest.

Wenn sich dann einmal ein überaus talentierter Werkstattmeister an die Arbeit macht ein fehlerhaftes Relais zu beheben und keinen anderen Ausweg findet als zu improviseren, dann kann das im Laufe der Jahre zu ganz abenteuerlichen Konstruktionen führen.

Eine solche fand sich im Motorraum meines Camargue, und zwar rechts, dort wo sich die Relais für die Klimaanlage, Schweinwerfer und Steuerung der Zündung und des Vergasers fanden. Ganz links unten ist noch ein LUCAS Relais zu erkennen, darüber sind mehrere unterschiedliche BOSCH Relais eingebaut worden, teilweise an primitiven Halterungen aus gebogenen Edelstahlschienen verschraubt, teils auf Sockeln, und teils freihängend! In der Mitte hinten, wieder ein paar LUCAS Relais, und dazwischen einige Kabel die teils abenteuerlich verlötet und verlegt worden sind, meist ummantelt mit Plastikschutzschläuchen aus dem Baumarkt. Wer sich hier zu schaffen gemacht hat, lässt sich nur erraten. Ich tippe auf eine japanische Hinterhof Werkstatt südlich von Tokio.

Es war also klar: hier muss aufgeräumt werden. Alleine schon um Kurzschlüsse aus gebrochenen Kabeln vorzubeugen. Sämtliche LUCAS Relais sollten also gegen BOSCH Relais getauscht, eine Halterung für sämtliche Relais gebaut und der Kabelsalat entfernt werden.

Zum Glück sind Relais einfache Elemente, und wer sich etwas kundig macht, findet schnell die vergleichbaren Schaltkreise für die unterschiedlichen Relais. Nebenstehend z.B. der Vergleich zwischen einem typischem LUCAS SRB146 Relais zu dem Equivalent von BOSCH, dem Relais 0 32 209 152. Mit solchen Vergleichen lässt sich ein Umbau problemlos gestalten, zumal die BOSCH Relais mit einem Stückpreis von ca. 7,- € verhältnismäßig günstig sind: ein neues LUCAS Relais kostet bei dem Rolls Roys Teilehändler Flying Spares in England gute 48,- €! Interessant ist zudem, dass ab der 90er Jahre auch Rolls Royce angefangen hatte BOSCH Relais zu verbauen.

Nebenstehend sind die unterschiedlichen und typischerweise verbauten LUCAS Relais aufgelistet, inkl. der Schaltpläne und der Anschlüsse. In der Grafik darunter sind die entsprechenden LUCAS Anschlüsse den BOSCH Vergleichsanschlüssen zugeordnet. Die roten Ziffern sind die Anschlüsse wie sie auf einem LUCAS Relais zu finden sind, die schwarzen Zahlen die typischen Anschlüsse an einem Mini-Relais (von BOSCH oder einem anderen Hersteller). Es ist also nicht so schwer für jedes LUCAS Relais das BOSCH (oder ein Vergleichshersteller) Pendant zu finden und der Funktion bzw. dem Schaltplan zuzuordnen. Am besten notiert man sich jedes einzelne LUCAS Relais, seinen Einbauplatz, Funktion, die Farbkennung der Kabel und deren Position bzw., Anschluss (C1, C2, C3, W1, W2). Legt man jetzt neben jedes Relais das passende Mini-Relais müssen nur noch die Stecker montiert werden und gemäß des Diagramm unten die Kabel angeschlossen werden.

Hat man also alle LUCAS Relais identifiziert und die entsprechenden BOSCH Relais herausgefunden, geht es an die Planung des Einbaus. Zuerst ist es allerdings ratsam die Funktion der Relais zu testen. Dafür werden die Relais gemäß Schaltplan angeschlossen und wenn beim Einschalten der Zündung bzw. des Verbrauchers sich alles so verhält wie es sein soll, dann kann der Einbau geplant werden.

Zum Einbau empfiehlt es sich im Internet ein bisschen zu suchen bis die passenden Sockel gefunden sind. Ich wurde in meinem Fall fündig bei ebay wo ich einen Sockel fand mit abgedichtetem transparenten Deckel und Steckern. Das Ganze für 25,-€.

Für diesen Sockel wurde dann eine Halterung geplant. Diese wurde aus 10 x 10 mm Vierkantrohren zusammen geschweißt und so vermessen, dass sie genau in den Raum passt wo die alten Relais montiert waren. Die Halterung wurde schwarz beschichtet und wie unschwer an den Fotos zu erkennen ist, fügt sich die ganze Konstruktion sehr schön in den Motorraum ein. Die Verkabelung ist zwar etwas fummelig, aber wer Schritt für Schritt an die Sache geht und viele Fotos von der Verkabelung macht (oder diese notiert bzw. mit kleinen Stickern beschriftet) kann eigentlich nichts falsch machen. Und wenn doch mal ein Kabel an der falschen Stelle angeschlossen ist, kann das im Handumdrehen korrigiert werden.


Das Ergebnis: eine aufgeräumte Relaisbank mit allen Relais sauber angeordnet und beschriftet. Das Ganze sieht dann schon fast so aus wie als ob es nie anders gewesen wäre. Es kann so einfach sein. Mein Rat also an der Stelle: schaut euch eure Verkabelung und euren Motorraum genau an! Denn im Laufe der Jahre wird sich sicherlich der eine oder andere Mechaniker an eurem Auto zu schaffen gemacht haben, und nicht alles muss ordentlich gemacht worden sein.