Frank’s 400i: Befund am Motor

Motor ausbauen und vernünftig machen

Nach einer Demontage zeigt sich schnell, dass ein Motorausbau immer eine richtige Entscheidung ist wenn ein hohes Mass an Unsicherheit besteht. Denn bei einem 12-Ender ist es einfach eine Frage der Kosten: wer darauf spekuliert dass „es schon halten wird“ läuft Gefahr sich richtig zu verkalkulieren. So war denn auch die Diagnose von Motorblock und den Zylinderköpfen bei beiden 400er dann doch sehr ernüchternd:

P1170095[1]Franks 400er: Leider ist hier eine deutliche Korrosion an der Laufbuchse zu erkennen. Damit war klar, dass hier eine Revision des Motors unausweichlich war.  Und es wird sich herausstellen, dass noch wesentlich mehr Arbeiten am Ferrarimotor notwendig sind, obwohl ja die Laufleistung erst knapp 100.000 km beträgt. Und es wird sich zeigen, dass eine Motorrevision des V12 nicht ganz billig ist…

Die weiteren Standschäden wurden denn auch schnell gefunden. Einige Zylinderlaufbahnen zeigen deutliche Korrosionsschäden. Hier müssen wir gleich auf das 1. Übermaß gehen. Damit ist auch ein Satz neuer Kolben und Ringe fällig und beim Honen der Laufbuchsen kann dann auch gleich das neue Abdichten der Buchsen erledigt werden. Wichtig, da beim V12 die Buchsen im Schaft abgedichtet sind. Unbedingt darauf achten, dass der richtige Überstand eingestellt wird, damit die Zylinderkopfdichtung später die richtige Pressung erhält.

P1170252[1]Überraschend war auch der hohe Verschleiß der oberen und unteren Pleuellager. Bei den oberen kann schon eine deutliche Kippbewegung der Kolben gemessen werden und bei den unteren Lagern ist teilweise die Gleitschicht bereits sichtbar abgenutzt. Und das nach nur 100 tkm. Die Schäden der Hauptlager und Anlaufscheiben sind hingegen nicht so deutlich. Jedoch auch hier werden neue Lager eingesetzt.

Erfreulicherweise ist die Kurbelwelle zumindest ohne Befund. Lediglich die Dichtfläche des hinteren Sommerrings ist eingelaufen, kann aber wohl nachgearbeitet werden.

Am Block sind noch die Lager am vorderen KW-Trieb auszutauschen. Hier haben wir zwar auch keinen Befund, zumal die Lager als C4-Lager ohnehin über deutliche Lagerluft verfügen. Der Austausch wird aber von Ferrari sicherheitshalber empfohlen.

Beim 400er Motor ist die Wasser- und Ölpumpe als Einheit aufgebaut. Der Fokus sollte hier auf der Wasserpumpe liegen. Während die Kugellager auch hier nur standardmäßig erneuert werden, ist die Öldichtung tatsächlich defekt. Sowohl der Simmerring, als auch die Hülse als Gegenstück sind gern beschädigt bzw. eingelaufen. Die Gleitringdichtung ist hingegen noch in Ordnung. Dennoch wird sie vorsichtshalber ersetzt.

Der Kettenanpasted-image-small-79trieb am Stirndeckel macht im Grunde auch noch einen recht gesunden Eindruck. Die leichten Riefen am Kettenspanner sind noch in der Toleranz. Zumal es hierfür ohnehin wohl derzeit keinen Ersatz gibt.

Die oberen Gleitschienen müssen aber ausgetauscht werden. Hier hatte man im Jahr 1982 noch nicht das passende Material zur Verfügung. Das aufvulkanisierte Gummi hält offensichtlich nicht und fällt bei der Prüfung ab. Hier brauchen wir Ersatz. Ein NOS-Teil hilft hier nicht. Zwar werden im Internet gern Neuteile angeboten, aber die sind ja dann ebenfalls 30 Jahre alt.

Erschreckend sind jedoch die Zylinderköpfe, und das beiden unserer Ferrari 400. Alle vier Zylinderköpfe waren an der dünnen Stelle zwischen Ventilsitzringen und Kerzengewinde mehrfach gerissen.

P1170128[1]Auch sind die originalen eingebauten Ventilsitzringe nicht gehärtet bzw. gasfest, sprich nicht für bleifreies Benzin geeignet. Auch waren die Ventilführungen außer Toleranz. Hier wartet also sehr viel Arbeit vom Experten. Die Ventile selber können gereinigt und weiterverwendet werden. Darüberhinaus sind die Zylinderköpfe an den Verschlußschrauben undicht und die konischen Schrauben müssen ausgebohrt werden. Sind bei Fiat aber noch lieferbar.

Die Nockenwellen sind zum Glück nicht eingelaufen. Auch die Nockenwellenlager sind ohne Befund.