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Öl im Kühlwasser! Kleiner O-Ring – großes Problem

Plötzlich überhitzte der 400i. Während einer normalen Fahrt, bei normalen Temperaturen wurde der Motor zu warm. Auf der Anzeige standen 110-115 Grad Celsius und das Überdruckventil im Verschluss des Kühlwasserbehälters löste aus. Was war das denn? Die Kühlventilatoren liefen. Warum steigt denn die Temperatur plötzlich an …

Nach dem Abkühlen zeigte sich das Schadensbild: Öl im Kühlwasser. Viel Öl im Kühlwasser.

Öl im Kühlwasser. Eine dicke Öl/Wasser-Emulsion im Kühler.

Spontan dachten wir an folgende mögliche Ursachen:

  • Defekte Zylinderkopfdichtung
  • Gerissener Zylinderkopf/Motorblock
  • Defekte Zylinderschaftdichtungen
  • Defekte Öl-/Wasserpumpe

Wir hatten zwar Öl im Wasser, aber kein Wasser im Öl.

Spuren für „Wasser im Öl“ konnten wir nicht erkennen

Also folgerten wir, dass der Defekt im Niederdruckbereich des Ölkreislaufs sein müsste, denn der Betriebsdruck des Ölkreislaufs ist ja höher, als der Betriebsdruck des Kühlwassers.

Ferner war die Zylinderkopfdichtung ja neu, auch die Zylinderschaftdichtungen hatten wir ersetzt. Und die Dichtungen der Wasserpumpe waren auch neu. Auch einen gerissenen Zylinderkopf oder Motorblock konnten wir uns nicht vorstellen, da wir den Motor nicht belastet hatten und die letzten Tage nur schonend unterwegs waren. Aber was war es dann?

Im Forum Ferrarichat fanden wir einen Hinweis: Die beiden Ölfilter des Motors besitzen einen Zu- und einen Abfluss. Diese beiden Leitungen sind mit Hilfe von Buchsen hergestellt, welche das Öl durch den darunter liegenden Kühlwasserbereich führen. Diese beiden Buchsen sind mit je zwei O-Ringen eingedichtet… Ups. Diese O-Ringe hatten wir nicht erneuert.

 

Unter der Montageplatte für die beiden Ölfilter sitzen die beiden Buchsen

Dann ist das Problem ja gar nicht so groß. Für die Reparatur werden folgende Ersatzteile benötigt:

  • Dichtungsbeilage Montageplatte Ölfilter
  • Dichtring 20,29 x 2,65, 2 Stück
  • Dichtring 21,20 x 2,65, 2 Stück
  • Reinigungsmittel für Kühler, 3x 300ml, jeweils für ca. 10 Liter
  • Kühlerfrostschutzkonzentrat 5 Liter
  • Einfaches Motorenöl 18 Liter (zum Spülen)
  • Ölfilter, 2 Stück
  • Motorenöl (bspw. Shell Racing 10W 60)
  • Werkzeug: Innenauszieher

 

Hier kann man die beiden Büchsen schon sehen

Herausgezogene Buchse (mit Innenauszieher)

Als wir die Buchsen gezogen haben, lief leider das restliche Kühlwasser in die Ölwanne. Dies kann man wohl nicht verhindern. Im Ergebnis muss man aber leider auch das Öl wechseln. Wir wollten zudem auch hier sicher gehen und haben zunächst einfaches Motorenöl eingefüllt und damit den Motor für ein paar Minuten gespült. Danach haben wir die Ölfilter gewechselt und das gewünschte Öl (für uns: Shell Racing 10W-60) eingefüllt.

Der Ölschlamm im Kühler war hartnäckig. Zur Entfernung haben wir 4x (Sic!) gespült und erst dann mit Kühlerfrostschutz aufgefüllt. Gespült haben wir mit Liqui Moly 3320 Kühlerreiniger, 300 ml. Hierzu haben wir den Motor auf Betriebstemperatur gebracht (Kreislaufventil öffnet) und 15 Minuten weiter laufen lassen. Nach 30 Minuten abkühlen, haben wir die Spülflüssigkeit entfernt. Nach der vierten Spülung (nach ca. 4-5 Stunden) hatten wir dann kein Öl mehr im Spülwasser und wir konnten gelbe Kühlflüssigkeit einfüllen.

Die Büchsen unterscheiden sich nur in der Länge. Die unteren Dichtringe haben den kleineren, die oberen den grösseren Durchmesser.

Wir haben auf Basis der Nut und der alten Dichtringe folgende Maße ermittelt: 20,29 x 2,65 und 21,20 x 2,65

Das (Öl-)Problem ist beseitigt

Die Reparatur ist problemlos an einem Tag durchzuführen. Lediglich das Reinigen des Kühlkreislaufs und der zweimalige Motorölwechsel beanspruchen etwas Zeit. Zwischenzeitlich lief der Motor schon wieder für 3.000 km und alles ist weiterhin prima. Es waren tatsächlich nur diese kleinen O-Ringe.